Autokredit als Azubi oder Student: So klappt’s mit dem ersten eigenen Wagen (und wann du es lassen solltest)

22. Januar 2026 | Ratgeber

Ich erinnere mich noch genau an meine Zeit als Azubi. 5:30 Uhr aufstehen, mit dem Bus zum Bahnhof, dann mit der S-Bahn weiter… und wehe, es fällt mal wieder ein Zug aus. Ich habe es gehasst. Der Wunsch nach dem ersten eigenen Auto war riesig. Nicht mal ein dicker BMW, einfach nur vier Räder und eine Heizung, die funktioniert.
Aber wenn man dann zur Bank geht und stolz seinen Ausbildungsvertrag vorlegt, erntet man oft nur ein müdes Lächeln. „Kredit? In der Ausbildung? Der Nächste bitte.“

Es ist frustrierend. Aber ist es unmöglich? Nein!

Ich zeige euch heute, warum Banken bei jungen Leuten so zickig sind (es liegt an einem ganz bestimmten Gesetz) und mit welchen Tricks ihr trotzdem an die Finanzierung für euren Traumwagen kommt.


Das Problem: Die magische „Pfändungsfreigrenze“

Bevor wir zu den Lösungen kommen, müsst ihr verstehen, warum die Bank „Nein“ sagt. Das liegt nicht daran, dass die euch nicht mögen oder euch den Spaß nicht gönnen.

Es liegt an der Pfändungsfreigrenze.

Das Gesetz schützt Schuldner. Aktuell (Stand 2025) liegt diese Grenze bei ca. 1.400 € netto im Monat für eine alleinstehende Person.

Das bedeutet: Wenn ihr den Kredit nicht mehr bezahlt, darf die Bank euch gesetzlich gar nichts wegnehmen, wenn ihr weniger als diese 1.400 € verdient. Ihr seid für die Bank „unpfändbar“.

Und seien wir ehrlich: Welcher Azubi im 1. Lehrjahr oder welcher Student verdient nebenbei 1.500 € netto? Eben.

Für die Bank ist das Risiko eines Totalausfalls also riesig.


Die „Todeszone“: Die Probezeit

Ein weiterer Punkt, den viele vergessen: Solange ihr in der Probezeit seid, gibt es keinen Kredit. Punkt. Egal wie viel ihr verdient. In der Probezeit könnt ihr theoretisch morgen gefeuert werden. Das Risiko geht keine seriöse Bank ein.

Mein Tipp: Wartet ab, bis die Probezeit vorbei ist und ihr den festen Vertrag in der Tasche habt. Vorher Anfragen zu stellen, versaut euch nur unnötig den Schufa-Score (wegen der abgelehnten Anfragen).


3 Wege, wie es trotzdem funktioniert

Okay, genug der schlechten Nachrichten. Wie kommen wir jetzt an den Schlüssel? Hier sind die drei Strategien, die funktionieren.

1. Der „Mama-Papa-Joker“ (Bürgschaft oder Mitantragsteller)

Das ist der Klassiker und der Weg, der zu 99% funktioniert.

Ihr nehmt den Kredit nicht alleine auf. Ein Elternteil (oder Großeltern, Geschwister) unterschreibt mit.

Dabei gibt es zwei Varianten:

  • Der Bürge: Deine Eltern unterschreiben, dass sie zahlen, wenn du nicht mehr zahlen kannst.
  • Der 2. Kreditnehmer (Besser!): Ihr tretet beide gleichberechtigt auf. Das mögen Banken am liebsten. Wenn Papa oder Mama ein festes Einkommen haben, kriegt ihr nicht nur die Zusage, sondern oft auch einen viel besseren Zinssatz (eher 4% statt 8%).

2. Der „Spezial-Kredit“ (Händlerbanken & ADAC)

Manche Autobanken der Hersteller (z.B. die Volkswagen Bank oder Bank11) sind bei Azubis etwas lockerer als die strengen Hausbanken, wenn das Auto als Sicherheit dient.

Warum? Weil sie den Fahrzeugbrief behalten. Wenn du nicht zahlst, holen sie das Auto ab. Das ist deren Sicherheit.

Auch der ADAC Autokredit ist dafür bekannt, faire Konditionen für Fahranfänger zu haben (oft aber auch nur mit Mitantragsteller).

3. Die 3-Monats-Regel & Übernahmegarantie

Du bist Azubi im letzten Lehrjahr?

Besorg dir von deinem Chef ein Schriftstück, dass du nach der Ausbildung übernommen wirst (Übernahmegarantie).

Mit diesem Wisch und den Gehaltsnachweisen der letzten 3 Monate hast du bei manchen Banken (wie der Sparkasse oder Volksbank vor Ort, wo man dich kennt) eine Chance. Online-Banken checken das meistens nicht, da entscheidet der Computer. Hier lohnt sich das persönliche Gespräch in der Filiale!


Achtung: Die Falle der „Schufa-freien“ Kredite

Wenn du googelst „Kredit für Azubi ohne Schufa“ oder „Kredit für Studenten sofort“, landest du oft auf sehr dubiosen Seiten.

Anbieter, die dir das Blaue vom Himmel versprechen („Kein Einkommensnachweis nötig!“).

Finger weg!

Das sind oft Vermittler, die dir erst mal eine teure „Beratungsgebühr“ abknöpfen oder dir unsinnige Versicherungen andrehen. Ein seriöser Kreditgeber braucht immer Sicherheiten. Wer keine verlangt, ist meistens ein Kredithai mit Wucherzinsen.


Meine ehrliche Meinung: Muss es wirklich der 15.000€ Wagen sein?

Jetzt mal kurz „Real Talk“ unter uns.
Ich weiß, wie es ist. Man hat den Führerschein und will nicht mit der letzten Rostlaube rumfahren. Man will den Golf GTI oder den 1er BMW.
Aber: Sich als Azubi oder Student für ein Auto hoch zu verschulden, kann dir die Zukunft verbauen.

Ein Auto kostet nicht nur die Rate.

  • Versicherung (für Fahranfänger sauteuer!)
  • Steuer
  • Sprit
  • Reparaturen

Wenn du 800 € Azubi-Gehalt hast, 250 € Rate zahlst und 100 € Versicherung… dann arbeitest du fast nur für das Auto. Du kannst nicht mit Freunden feiern gehen, kein Urlaub, nichts.

Meine Empfehlung:

Spart euch 2.000 – 3.000 € zusammen (Ferienjob, Oma fragen, sparen).
Kauft euch einen soliden gebrauchten Kleinwagen (Toyota Yaris, Opel Corsa, Ford Fiesta). Bar bezahlt.
Ja, der ist nicht sexy. Aber er gehört DIR. Keine Schulden, kein Druck.
Und wenn du die erste Delle reinfährst (passiert jedem Anfänger), ist es egal.

Finanziert erst den „Traumwagen“, wenn ihr den festen Job nach der Ausbildung habt. Glaubt mir, das fährt sich entspannter.

Wie sieht’s bei euch aus? Habt ihr in der Ausbildung finanziert? Haben eure Eltern gebürgt oder habt ihr eine Bank gefunden, die euch auch so genommen hat? Teilt eure Erfahrungen mal in den Kommentaren, das hilft den anderen hier enorm!