Wie viel Auto können sich Deutsche wirklich leisten? Eine realistische Rechnung
Wenn man Werbung und Autohaus-Gesprächen glaubt, scheint fast jeder ein neues Auto finanzieren zu können. Die Realität sieht anders aus.
Ich habe mir die Zahlen angeschaut – Einkommen, Fixkosten, Kreditraten – und sie konsequent zu Ende gerechnet. Das Ergebnis ist überraschend klar.
Die Ausgangsbasis: Was steht wirklich zur Verfügung?
Das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Haushalts in Deutschland liegt – je nach Statistik – bei rund 2.600 bis 3.000 Euro im Monat.
Klingt erstmal solide. Doch dieses Geld ist nicht frei verfügbar.
Ziehen wir realistische Fixkosten ab:
- Miete inkl. Nebenkosten
- Strom, Internet, Versicherungen
- Lebensmittel
- Rücklagen für Reparaturen, Kleidung, Alltag
Am Ende bleiben in vielen Haushalten 500 bis 800 Euro, die flexibel einsetzbar sind. Und aus genau diesem Betrag soll das Auto finanziert werden.
Die oft unterschätzte Faustregel
Eine konservative, aber gesunde Regel lautet:
👉 Maximal 15–20 % des Nettoeinkommens für Mobilität.
Bei 2.800 Euro netto wären das:
- 420 bis 560 Euro für alles rund ums Auto
Und hier liegt der Denkfehler vieler Käufer:
Diese Summe ist nicht nur die Kreditrate.
Was wirklich zum Auto gehört
Zur Finanzierung kommen monatlich hinzu:
- Versicherung
- Kraftstoff oder Strom
- Wartung
- Rücklagen für Reparaturen
- Kfz-Steuer
In der Praxis bleiben von den 500–600 Euro oft nur 250–300 Euro für die Kreditrate übrig.
Mehr nicht – wenn man ehrlich rechnet.
Was diese Rate wirklich bedeutet
Mit 300 Euro monatlicher Rate ergibt sich bei:
- 5–6 % Zinsen
- 60 Monaten Laufzeit
eine Kreditsumme von etwa 15.000 bis 17.000 Euro.
Das ist keine Meinung. Das ist Mathematik.
Alles darüber:
- längere Laufzeiten
- Ballonmodelle
- Leasing
- oder schlicht höhere finanzielle Belastung
Warum das viele überrascht
Weil Werbung nicht mit Gesamtkosten arbeitet.
Sie arbeitet mit Raten.
„Schon ab 299 € im Monat“ klingt gut – sagt aber nichts darüber, ob:
- die Laufzeit passt
- eine Schlussrate folgt
- das Budget langfristig trägt
Die Rechnung wird selten zu Ende gemacht. Und genau das verzerrt die Wahrnehmung.
Die Zahl, die keiner hören will
Für viele Haushalte liegt ein realistisch leistbares Auto finanziell niedriger, als man denkt.
Nicht, weil Menschen wenig verdienen – sondern weil Autos langfristige Kosten verursachen, die gerne ausgeblendet werden.
Ein günstigeres Auto ist kein Rückschritt.
Es ist oft die rationalste Entscheidung im gesamten Finanzleben.