Autokredit vorzeitig ablösen oder umschulden: Wie du hunderte Euro sparst (und die „Vorfälligkeits“-Falle umgehst)
Heute geht es um Freiheit. Genauer gesagt: Wie ihr eure Bankfesseln loswerdet, bevor die Zeit eigentlich um ist.
Es gibt tausend Gründe, warum man aus einem laufenden Autokredit raus will:
- Du hast im Lotto gewonnen (Glückwunsch!).
- Du hast geerbt oder eine Bonuszahlung bekommen und willst schuldenfrei sein.
- Die Zinsen sind gesunken und du ärgerst dich über deinen alten, teuren Vertrag.
- Du willst das Auto verkaufen, aber der Brief liegt noch bei der Bank.
Ich kriege oft panische Nachrichten: „Alex, mein Vertrag läuft noch 3 Jahre. Komme ich da überhaupt raus? Und kostet das nicht ein Vermögen Strafe?“
Die kurze Antwort: Ja, du kommst raus. Und nein, es ist meistens billiger als du denkst.
Aber die Banken machen es einem nicht leicht. Ich zeige euch heute, wie ihr den „Exit“ schafft und wann sich das Umschulden richtig lohnt.
Mythos: „Vertrag ist Vertrag“
Früher war das so. Wenn du für 5 Jahre unterschrieben hast, warst du 5 Jahre gefangen.
Aber der Gesetzgeber hat (zum Glück!) eingegriffen.
Für alle Verbraucherkredite, die nach dem 10. Juni 2010 abgeschlossen wurden, gilt ein jederzeitiges Kündigungsrecht.
Du musst der Bank nicht mal einen Grund nennen. Du kannst einfach sagen: „Hier ist euer Geld, gebt mir meinen Brief, tschüss.“
Das Problem ist nur: Die Bank hat fest mit deinen Zinsen gerechnet. Und weil Banken ungern Geld verlieren, verlangen sie Schadensersatz. Und hier kommt das Wort ins Spiel, bei dem jedem die Zunge abbricht: Die Vorfälligkeitsentschädigung.
Die Angst vor der „Vorfälligkeitsentschädigung“ (VFE)
Das Wort klingt bedrohlich, oder? Nach tausenden Euro Strafe.
Bankberater nutzen das gerne, um euch vom Wechsel abzuhalten: „Oh, Herr Müller, wenn Sie jetzt ablösen, müssen Sie aber eine Entschädigung zahlen. Das lohnt sich doch gar nicht!“
Lass dich nicht veräppeln. Der Gesetzgeber hat diese „Strafe“ nämlich extrem gedeckelt.
Hier ist die Regel (schreib dir das hinter die Ohren):
- Restlaufzeit länger als 12 Monate: Max. 1,0 % der Restschuld.
- Restlaufzeit kürzer als 12 Monate: Max. 0,5 % der Restschuld.
Rechenbeispiel: Warum die „Strafe“ ein Witz ist
Nehmen wir an, du hast noch 10.000 € offen bei der Bank. Dein alter Kredit ist teuer (z.B. 6% Zinsen). Du willst ihn sofort ablösen.
Die Bank darf maximal 1,0 % von 10.000 € verlangen.
Das sind 100 Euro.
Hundert Euro!
Wenn du durch eine Umschuldung auf einen günstigeren Kredit (sagen wir mit 4%) über die restliche Zeit 500 € an Zinsen sparst, dann zahlst du die 100 € Strafe doch lachend aus der Portokasse, oder?
Wichtig: Manche Banken (wie die ING oder SKG) verzichten in ihren Verträgen sogar freiwillig ganz auf diese Gebühr. Schau mal in dein Kleingedrucktes unter „Sondertilgung“.
Szenario 1: Umschulden (Kreditwechseln)
Das lohnt sich fast immer, wenn deine Bonität sich verbessert hat oder das allgemeine Zinsniveau gesunken ist.
So gehst du vor:
- Ablösesumme erfragen: Ruf deine alte Bank an und frag: „Was kostet es auf den Cent genau, wenn ich zum Datum X alles ablöse?“
- Vergleichen: Geh auf einen Vergleichsrechner (hier im Blog verlinkt) und such einen neuen Kredit über genau diese Summe.
- Antrag stellen: Wichtig! Kreuze beim neuen Kredit als Verwendungszweck „Umschuldung“ oder „Kreditablösung“ an.
- Der Wechsel: Oft regeln die Banken das untereinander. Die neue Bank überweist das Geld an die alte Bank. Die alte Bank schickt den Fahrzeugbrief an die neue Bank (oder an dich, je nach Anbieter).
Du sparst dir so oft hunderte Euro Zinsen und hast vielleicht sogar eine niedrigere Monatsrate.
Szenario 2: Auto verkaufen trotz Finanzierung
Das ist der Klassiker. Du willst den Wagen privat verkaufen, aber der Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) liegt im Tresor der Bank. Ohne Brief kauft aber niemand dein Auto. Ein Teufelskreis.
Hier gibt es drei Wege:
Weg A: Du hast das Geld flüssig
Du leihst dir das Geld kurzfristig (Familie, Dispo – nur für paar Tage!) und löst den Kredit ab. Die Bank schickt dir den Brief. Du verkaufst das Auto, bekommst das Geld vom Käufer und zahlst deine Schulden zurück. Das ist der sauberste Weg.
Weg B: Der Käufer löst ab (Schwierig)
Du bist ehrlich zum Käufer: „Pass auf, Brief liegt bei der Bank.“
Wir machen einen Kaufvertrag. Der Käufer überweist den Ablösebetrag direkt an die Bank und den Rest an dich. Die Bank schickt den Brief dann direkt an den Käufer.
Problem: Das machen nur wenige Käufer mit, weil es Vertrauenssache ist. „Was, wenn ich zahle und der Brief kommt nie?“
Weg C: Der Händler-Tausch
Wenn du eh ein neues Auto beim Händler kaufst, ist es am einfachsten. Der Händler nimmt deinen alten (finanzierten) Wagen in Zahlung. Er kümmert sich um die Ablösung bei der Bank, verrechnet das mit dem neuen Auto und du hast keinen Stress.
Nachteil: Du kriegst für deinen Alten meist weniger Geld als beim Privatverkauf. Das ist der Preis für die Bequemlichkeit.
Rechne es durch!
Habt keine Angst vor der Bank. Ihr seid der Kunde, nicht der Bittsteller.
Wenn ihr noch einen alten Kredit mit hohen Zinsen am Laufen habt, prüft unbedingt eine Umschuldung.
Ich habe das letztes Jahr für meinen Bruder gemacht.
- Alter Kredit: 6,99 % (Autohaus)
- Neuer Kredit: 4,19 % (Online-Bank)
- Restschuld: 18.000 €
- Ersparnis über 3 Jahre: Fast 800 Euro!
Die Vorfälligkeitsentschädigung lag bei 180 €. Netto-Gewinn also immer noch über 600 €. Dafür gehe ich gerne mal schick essen.
Habt ihr schon mal einen Kredit umgeschuldet oder hattet Stress, den Brief von der Bank zu bekommen? Schreibt mir eure Horror- oder Erfolgsstorys unten rein!